Rückenschmerzen und deren Ursache

Damit es nicht kommt zum Knackse, erfand der Mensch die Prophylaxe.
Doch lieber beugt der Mensch, der Tor, sich vor der Krankheit als ihr vor (Eugen Roth)

Schmerz – jeder kennt ihn, keiner will ihn. Und doch scheint er wie ein Damoklesschwert über den Menschen, weil er scheinbar zu jeder Zeit zuschlagen kann. Und scheinbar genauso lässt sich daran nichts ändern, wenn  man sich den Aussagen vieler Mediziner anschließt, die da heißen : Damit müssen sie leben. Betriebswirtschaftlich gesehen ist mit den unter Schmerzen Leidenden auch gutes Geld zu verdienen. Sie werden jährlich ca. 194 Millionen Packungen Schmerzmittel verkauft, was 3,75 Milliarden Einzeldosierungen entspricht. 1100 Tonnen Acetylselicylsäure, 350 Tonnen Parcetamol, 16 Tonnen Ibuprofen. Allein der Apothekenumsatz beträgt dabei eine halbe Milliarde Euro.
Schmerzen – Daten und Fakten Zahlen über das Ausmaß chronischer Schmerzen sind rar, da sie gleichzeitig richtig gelesen und interpretiert, Aussagen über das Geschäft mit dem Schmerz zulassen.
1997 litten, einer repräsentativen Umfrage der Betriebskrankenkassen zufolge, 33,5 Millionen Menschen ab 14 Jahren an Rückenschmerzen, wovon allein vier Millionen angaben, lediglich unter Beschwerden zu leiden. Während 1991 noch 12 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf das Konto von Rückenschmerzen gingen, sind es inzwischen an die 70 Millionen (man betrachte den extremen Zuwachs von 600%)
Eine andere Studie über chronische Schmerzen ergab, dass 1991 von insgesamt 32 Millionen Menschen, die in einem Quartal ihren Arzt aufsuchten, ca. sieben Millionen von chronischen Schmerzen betroffen waren. Das sind über 20% aller Patienten. Diese Zahlen zeigen, dass nahezu ein Viertel der Patienten chronische Schmerzen hat, die damit zu den kostspieligsten, belastenden und verbreitetsten Gesundheitsbeeinträchtigungen gehören. Neuere Zahlen belegen, dass die Tendenz sogar noch weiter steigt. Die sogenannten korrekten Kosten für Untersuchungen und Behandlungen betragen jährlich etwa 5 Milliarden Euro. Die indirekten Kosten durch Umschulungen, Frühberentungen und Krankheitstage machen dagegen 15 Milliarden Euro pro Jahr aus. Modellrechnungen der Bundesanstalt für Arbeit beziffern die Kosten auf die Wiederherstellung der Gesundheit erkrankter Mitarbeiter allein in Deutschland jährlich mit rund vierzig Milliarden Euro.
Weitere alarmierende Zahlen über die Selbstmordrate (ca. 3.000 Patienten mit chronischen Schmerzen gehen pro Jahr an den Suizid) und den „Schmerztourismus”.
Im Durchschnitt hat der unter chronischen Schmerzen leidende Patient zehn Jahre Krankheitsgeschichte mit Behandlungsversuchen von mindestens acht verschiedenen Fachärzten hinter sich. Verdeutlichen die Bilanz, aber gleichermaßen auch die Hilflosigkeit, nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Gesellschaft.
Rückenschmerzen – keine Krankheit, sondern Signal.
Rückenschmerzen werden sehr of als Volkskrankheit Nummer eins bezeichnet, obwohl Schmerz keine Krankheit an sich darstellt, sondern lediglich ein Symptom, ein Signal des Körpers, dass etwas in Unordnung oder außer Kontrolle geraten ist. Als Ursachen werden viele Erklärungsmodelle herangezogen. Vom Beckenschiefstand über verschobene Wirbel bis hin zum Bandscheibenvorfall. Die Frage ist allerdings, ob es sich dabei wirklich um die Ursachen handelt oder, ob auch dies nur Folgen von auf anderer Ebene ablaufenden Prozessen sind. „Psychosomatisch” heißt das Reizwort, das schnell im Munde geführt wird, da weder Röntgenbild noch Computertomogramm für die Rückenschmerzen ursächliche Hinweise geben.
Die Gretchenfrage, um die sich alles beim Thema Rückenschmerzen dreht lautet: Wo liegen die wahren Ursachen ? Und vor allem, wo muss eine Behandlung ansetzen, wenn sie nicht nur Auswirkungen und Symptome bekämpfen will. Prävention heißt das Stichwort. Um Prävention betreiben zu können, muss ich aber Wissen, wo die Ursachen liegen. Ein Teufelskreis ohne Ende ? Nur scheinbar.
Die Erklärung ist denkbar einfach: Knochen werden ausschließlich und allein von Muskeln bewegt. Nicht ein einziger der ca. 200 Knochen hat eine direkte Verbindung über motorische Nerven zum Gehirn. Was besagt das ? Nicht anderes, als dass sich auch die Wirbelkörper nicht von allein verschieben, dass auch eine Fehlhaltung, ein Beckenschiefstand, eine Skoliose, von der man medizinisch in 80% der Fälle die Ursache nicht kennt, nicht einfach ohne Grund im Laufe des Lebens entstehen. Die Ursache muss also weit weg vom knöchernen Bewegungsapparat gesucht werden. Und zwar dort, wo Bewegung stattfindet : in der Muskulatur. Unfälle und Stürze mit nach sich ziehenden Operationen oder die seltenen hormonell bedingten Wachstumsstörungen sind von dieser Betrachtungsweise ausgenommen, da sich dadurch echte Fehlstellungen und Verkürzungen von Knochen ergeben können.
Die weitere Frage, die sich stellt ist, inwieweit die stark propagierte Idee des Muskel-trainings von Nutzen ist. Dass eine Kräftigung der Muskulatur sinnvoll ist, versteht sich von selbst. Doch wie sieht es aus, wenn die Muskulatur in einer mehr oder weniger permanenten Anspannung verharrt? Ein angespannter Muskel wird durch Beanspruchung und Training zwar größer und dicker, vielleicht hält er sogar die Knochen besser zusammen. Aber was, wenn bereits vorher über längere Zeit eine durch muskuläre Anspannung bedingte Fehlhaltung entstanden war? Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt, wenn man im Dschungel der Erklärungsmodelle den Durchblick erlagen will.
Wie mir bei der Forschung nach den Hintergründen am wesentlichsten erschien, war, dass auf sämtlichen Schmerzkongressen der letzten Jahre ein Thema besonders im Vordergrund stand: Der Fakt, dass Rückenschmerzen mit dem Übergang vom Industriezeitalter mit harter körperlicher Arbeit die Informations- und Freizeitgesellschaft nicht abnahme, sondern im Gegenteil dramatisch zugenommen haben. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Doch des Rätsels Lösung rückt näher, wenn man sich mit den genauen Auswirkungen von Stress auf die Muskulatur befasst.
Auf jede Art von Stress, seien es alltägliche Begebenheiten wie à„rger mit dem Chef, den Kindern oder auch zu langes Sitzen im Büro oder vor dem Fernseher, oder seien es Stress-Dauersituationen, regagiert der Körper, neben der Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol mit alle ihren Begleiterscheinungen auf Herz und Kreislauf, auch mit einer muskulären Anspannung. Interessanterweise immer zuerst im Nacken. Hier ist es vor allem der Trapezmuskel, der mit seinen oberen Zacken an den ersten Halswirbeln ansetzt. Es spielen hierbei die Nervensignale des Nervus Akzessorius (ein Hirnnerv) eine Rolle, da er den Trapezmuskel sowie den seitlichen Halsmuskel mit Nervenimpulsen versorgt.  Außerdem gibt er seine Signale über die Nerven der ersten drei Halswirbel an alle ca. dreißig Halsmuskeln weiter. Der Nervus Akzessorius ist in seinem Ursprung ein „Abkömmling” des Vagus-Nervs. Ihre Ursprungskerne liegen dicht beieinander, manchmal geht der Akzessorius-Nerv sogar aus dem Ursprungsnerv des Vagus-Nervs hervor. Der Vagus ist an den im Körper ablaufenden Stressfunktionen maßgeblich beteiligt. Das Signal Anspannung, welches durch eine Stressreaktion ausgelöst wird, sorgt dafür, dass der Körper zunächst versucht, sein wichtigstes Teil zu schützen, den Kopf. Ein Relikt aus der Urzeit, als die Steinzeitmenschen im Kampf ums Überleben in ständiger Alarmbereitschaft waren (Kampf-Flucht-Prinzip) Dies ist der Grund, weshalb sich die Nackenmuskulatur vor allen anderen Muskeln anspannt, was in Studien über muskuläre Auswirkungen von Stress belegt werden konnte. Je häufiger ein Mensch unter Stress steht, desto permanenter hält die Anspannung an. Dies wiederum hat zur folge, dass die gerade im Nackenbereicht besonders häufigen Druckrezeptoren (3.000 bis 5.000 Rezeptoren pro Gramm Gewebe) diese Anspannungsinformation aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten. Diese Information wird in den Rindenfeldern des Gehirns registriert und abgespeichert. Je öfter die gleichen Reize
Dort eintreffen desto stärker brennen sich diese Informationen ein. Es kommt zur Daueranspannung, die mit der Zeit zu einem regelrechten Muskelpanzer führen kann.
Nun vollzieht sich diese Spannung im oberen Bereich der Halswirbelsäule allerdings nicht gleichmäßig über alle Nackenmuskeln, sondern seitenunterschiedlich. Dies liegt an der Verschiedenheit der anatomischen Strukturen dieses Bereichs. So haben kernspintomographische Aufnahmen gezeigt, dass weder die einzelnen Wirbel, noch die Blutgefäße, Nerven oder Muskeln seitengleich identisch sind. Es existieren für eine Struktur oftmals so viele unterschiedliche Aussehungsmöglichketien, dass davon ausgegangen werden kann, dass sie bei kaum zwei Menschen gleich sind. So unterschiedlich die Aussehensmöglichkeitenm so unterschiedlich auch die Funktionen. Beispielsweise haben dickere oder dünnere Nervenstränge an einer Muskelzacke des Trapezmuskels unterschiedlichen Zug an den Wirbeln zur Folge. Hiervon betroffen sind insbesondere die ersten beiden Halswirbel, Atlas und Axis. Sie sind die beiden beweglichsten Wirbel überhaupt und deshalb für Verschiebungen extrem anfällig. Wohlgemerkt: es handelt sich dabei um Verschiebungen, die durch unterschiedlichen Muskelzug ausgelöst werden, und dieser wird wiederum verursacht durch die Reaktion der Muskeln auf Stress.
Da der Körper von Natur aus darauf ausgerichtet ist, Harmonie und Ordnung herzustellen, versucht er eine Anspannung des Nackenbereichs durch eine Gegenspannung auszugleichen. Diese muskuläre Kompensation, die sich bis zum Becken vollzieht, bewirkt letztendlich eine Fehlhaltung, die sich auch als Beckenschiefstand und als Beinlängendifferenz zeigen. Dass das Gehirn nicht mehr in der Lage ist, diesen Zustand umzukehren, liegt darin begründet, dass sich die bereits angesprochenen Rindenfelder im Laufe der Zeit nicht mehr an den ursprünglichen Zustand der Muskeln erinnern können.
Dieses Phänomen bezeichne ich als sensomotorische Amnesie.  Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, erscheinen sehr viele Modelle zur Bekämpfung von Rückenschmerzen, aber auch anderer Symptome, wie durch dauernde Fehlbelastung hervorgerufene Hüft- oder Knieprobleme, nicht nur unangebracht, sondern auch äußerst fragwürdig. Weder das Zurechtrücken von Knochen und Wirbeln, noch medikamentöse Schmerzbekämpfung, noch Operationen können auf Dauer eine sinnvolle Lösung des Problems der Volkskrankheit Nummer eins bieten.
Was helfen kann, ist die Unterstützung der Muskulatur zur Entspannung. Wobei es darauf ankommt, diese Entspannung so gezielt einzuleiten, dass sich die durch Stress im Nackenbereich angespannten Muskeln zunächst entspannen, da hier der ganze Prozess seinen Anfang hat. Um die sensomotorische Amnesie zu durchbrechen, ist eine ganz bestimmte Vorgehensweise erforderlich. Es kommt nämlich darauf an, dass die Information von Entspannung reflektorisch über das Nervensystem zu den entsprechenden Rindenfeldern und von dort aus zurück in die Muskulatur geleitet werden kann.
Hierzu wurde in den 1980er Jahren in den USA eine Technik entwickelt, die mittels eines sehr schnell ausgeführten Impulses im Bereich des Muskelansatze des seitlichen Halsmuskels am Hinterkopf, die notwendige Entspannungsinformation über den Nervus Akzessorius an die sensorischen und motorischen Rindenfelder weiterleitet. Diese Technik, die in Deutschland unter dem Namen Vitametik® angewandt wird, ist eine Entspannung für die gesamte Muskulatur entlang der Wirbelsäule, da sich die Entspannungsinformation über die Nerven und Muskeln als Kettenreaktion nach unten fortpflanzt. Dass der Körper dadurch Fehlhaltungen selbst korrigiert, liegt genauso in der Natur der Sache, wie vordem die muskuläre Anspannung.
Hinzu kommt bei den meisten Betroffenen, dass, je länger die anspannungs-bedingten Schmerzen bestehen, sich dies auch auf die Psyche auswirkt, denn Schmerz zermürbt. Dass das vegetative Nervensystem in aller Regel mit betroffen ist, liegt an verschiedenen Nervenknoten von Sympathikus und Parasympathikus im Nackenbereich, die durch den Druck der angespannten Muskeln reagieren. Lässt die Anspannung nach, so wird sich auch das Vegetativum stabilisieren können, was sich darin zeigt, dass viele Menschen nach den vitametischen Anwendungen von einer gewissen Vitalität, von allgemeinem Wohlbefinden und vor allem von Gelassenheit und erhöhter Stress-Stabilität berichten.
Das besondere Anliegen der Vitametik® liegt in der Prävention begründet, denn Vorbeugen war schon immer besser als Heilen. Ein entspannter Körper kann sich besser regenerieren, was insbesondere im Falle einer Erkrankung von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist. Denn Energie, die für die Anspannung der Muskulatur verloren geht, kann nicht für Regenerationsprozesse eingesetzt werden. Ist der Körper jedoch entspannt, so kann er die dadurch freie Energie für die Regeneration und für die Selbstheilung verwenden.
Die Kenner der Gesamtzusammenhänge werden stets über die Hintergründe informieren und dann zum Wohle aktiv werden können. In Deutschland haben sich Menschen zusammengefunden, um dieser Technik zum Durchbruch zu verhelfen. Ihr Ziel ist es dabei, im Interesse aller Beteiligten einen hohen Standard zu gewährleisten. Sie haben sich im Berufsverband für Vitametik® organisiert.

Der Autor Volker Hoffmann ist Vitametiker und Heilpraktiker
Berufsverband für Vitametik® e.V. (BVV), Fliederweg 16, 76275 Ettlingen Tel. 01805 007301 eMail: info(at)vitametik.de.

Erschienen in MATRIX 3000, Das Magazin für neues Denken, 20. Dezember 2007

Hinweis: Die Vitametik ersetzt nicht die Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker, ist jedoch eine wertvolle Ergänzung zu laufenden Behandlungen. Laufende ärztliche Behandlungen und Anordnungen sollen weitergeführt, bzw. künftige nicht hinaus geschoben oder unterlassen werden.